Ausdauer, Teamgeist und Leidenschaft – Sabine Wallner im Interview
Wir, die Woidläufer, haben die amtierende Deutsche Meisterin im Skijöring interviewt. Sabine hat über Jahre hinweg die CaniCross-Szene dominiert und ist eine echte Expertin, wenn es um das Thema „Laufen mit Hund“ geht.
Skijöring ist eine Disziplin des Zughundesports im Winter: Der Hund läuft vor dem Menschen und ist über eine Zugleine mit ihm verbunden, während der Mensch auf Langlaufskiern unterwegs ist. Tempo, Technik und Vertrauen zwischen Mensch und Hund sind dabei entscheidend – nur als eingespieltes Team kann man erfolgreich sein.
Sabine, viele kennen dich aus dem Wintersport, andere aus dem Lauf- und Traillaufbereich und wieder andere aus der CaniCross-Szene. Wie würdest du dich selbst als Sportlerin beschreiben?
Ausdauersport in jeglicher Form bereitet mir unglaublich viel Spaß. Dabei schätze ich besonders die Abwechslung, denn unterschiedliche Trainingsreize halten nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf frisch. Außerdem stehe ich sehr gerne an der Startlinie, weil ich diese besondere Mischung aus Nervosität, Vorfreude und Fokus liebe. Wettkämpfe haben für mich aber noch einen weiteren Reiz: Man lernt immer wieder neue Menschen kennen, tauscht sich aus und teilt die gemeinsame Begeisterung für den Sport.
Hunde waren schon immer ein fester Bestandteil meiner Familie und waren von Anfang an auch beim Sport mit dabei. Im Jugendalter war mir allerdings noch gar nicht bewusst, dass es dafür eigene Wettkämpfe gibt. Wenn man an Zughundesport denkt, kommen vielen zunächst Schlitten und Huskys in den Sinn.
Vor rund zehn Jahren bin ich dann mit meinem Schäferhund-Mischling erstmals bei Canicross-Rennen und Trailläufen mit Hund an den Start gegangen. Damit begann meine Begeisterung für diese besondere Kombination aus Ausdauer, Teamarbeit und der engen Verbindung zwischen Mensch und Hund.
Du bist nicht nur Athletin, sondern auch eng mit dem OK-Team verbunden. Was bedeutet dir der Arberland Ultratrail persönlich?
Der Arberland Ultratrail ist für mich eine ganz besondere Veranstaltung, weil hier von Anfang an eine unglaublich herzliche und familiäre Atmosphäre spürbar ist. Das kleine Team, das hinter dem Event steht, investiert in seiner Freizeit enorm viel Zeit, Herzblut und Leidenschaft, um eine optimale Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Genau dieses Engagement macht den Arberland Ultratrail so einzigartig und unterscheidet ihn, wie ich finde, von vielen anderen Events.
Natürlich könnte es für mich kaum besser passen, denn die Veranstaltung findet direkt vor der Haustür statt. Umso schöner ist es, jedes Jahr aufs Neue die Startliste zu studieren und immer wieder neue Namen zu entdecken. Das zeigt, wie offen und einladend diese Veranstaltung ist und wie viele Menschen sich von ihr angesprochen fühlen, oder gar den ein oder anderen zum Trailrunning motiviert.
Es geht keineswegs nicht nur darum, wer am Ende der oder die Schnellste ist. Viel wichtiger ist das gemeinsame Erlebnis, das Kribbeln vor dem Start, die Euphorie auf der Strecke, die gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein, die Stimmung aufzusaugen und diese Begeisterung weiterzugeben, einfach andere damit anzustecken. Das macht den Arberland Ultratrail für mich aus.
Du bist amtirende Deutsche Meisterin im Skijöring – was braucht es, damit Mensch und Hund als echtes Team funktionieren?
Damit Mensch und Hund wirklich als Team funktionieren, braucht es vor allem gegenseitiges Vertrauen und ein feines Gespür füreinander. Ganz zentral ist dabei, immer auf das Wohl des Hundes zu achten. Der Hund muss Spaß an der “Arbeit” haben – nur dann bleibt er motiviert und gesund.
Überforderung darf dabei niemals ein Thema sein. Training und Wettkampf müssen so gestaltet sein, dass sie dem Hund körperlich und mental guttun. Dazu gehört auf Tagesform, Gesundheit und Motivation zu achten und auch bereit zu sein, einen Lauf auszulassen, wenn es dem Hund mal nicht gut geht.
Man ist nur so stark wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund. Wenn beide Freude an der Bewegung haben, sich aufeinander verlassen können und ein respektvoller Umgang erfolgt, entsteht genau das, was diesen Sport so besonders macht. Alles andere, was dabei am Ende herauskommt, ist zweitrangig.
Du kennst die Strecken beim Arberland Ultratrail sehr gut. Wie sollte man sich als Team Mensch–Hund auf diese Strecken vorbereiten?
Beim Arberland Ultratrail darf man die Bayerwald-Trails keinesfalls unterschätzen. Die Strecken sind landschaftlich beeindruckend, aber technisch anspruchsvoll und verlangen beiden viel ab. Wurzelige Waldpassagen, steinige Abschnitte, schmale Singletrails sowie teils steile An- und Abstiege fordern Koordination und permanente Aufmerksamkeit – sowohl vom Menschen als auch vom Hund. Wer hier nur auf Kilometer trainiert, wird schnell merken, dass die technischen Anforderungen deutlich mehr zählen als die reine Distanz.
In der Vorbereitung sollte deshalb unbedingt auf abwechslungsreichem Terrain trainiert werden. Unterschiedliche Untergründe wie Wurzeln, Steine, weicher Waldboden oder auch rutschige Passagen gehören ins Trainingsprogramm, damit der Hund lernt, sicher zu laufen. Die Anstiege verlangen Kraftausdauer von beiden, während die Abstiege besonders koordinativ fordernd sind und ein kontrolliertes Tempo erfordern, um Stürze zu vermeiden. Wichtig ist somit ein gewisses Bergauf- und Bergabtraining.
Darüber hinaus sollte das Zusammenspiel als Team regelmäßig geübt werden. Richtungswechsel, Tempoanpassungen, Engstellen oder das Überholen anderer Teams funktionieren nur dann reibungslos, wenn Mensch und Hund aufeinander eingespielt sind. Wer sich gezielt vorbereitet und sowohl Kraft als auch Koordination trainiert, schafft die Grundlage für ein sicheres und harmonisches Trail-Erlebnis im Bayerischen Wald.
Welche Verantwortung trägt man als Läufer gegenüber seinem Hund bei so einem Event?
Als Läufer trägt man eine große Verantwortung gegenüber seinem Hund und diese geht weit über die eigene sportliche Ambition hinaus. Der Hund ist kein Mittel zum Zweck, sondern ein Partner, der vollständig auf die Einschätzung und Entscheidungen seines Menschen angewiesen ist.
Die Leistungsfähigkeit des eigenen Hundes muss realistisch eingeschätzt werden. Nicht jeder Hund ist für lange Distanzen, viele Höhenmeter oder technisch anspruchsvolle Trails geeignet, dabei spielen Alter, Trainingszustand und körperliche Voraussetzungen eine entscheidende Rolle.
Ausreichendes, strukturiertes Training im Vorfeld ist Pflicht. Ebenso wichtig sind regelmäßige tierärztliche Checks, passende Ausrüstung und ein wachsames Auge während des Laufs. Nicht jeder Tag ist gleich, im Zweifel gilt immer – Tempo rausnehmen oder das Rennen beenden.
Auch die äußeren Bedingungen liegen in der Verantwortung des Menschen. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit können für Hunde deutlich belastender sein als für uns. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. Pausen sind entscheidend.
Darüber hinaus trägt man Verantwortung für das faire und sichere Miteinander auf der Strecke. Das heißt Rücksicht nehmen gegenüber andere Läufer und Teams, kontrolliertes Überholen und Überholende nicht behindern.
Der Hund ist immer an erste Stelle zu setzen. Ein erfolgreiches Rennen ist nicht die Platzierung oder die Zielzeit, sondern ein Lauf, bei dem beide gesund, zufrieden und mit Freude im Ziel ankommen.
Was ist für dich der schönste Moment, wenn du mit deinem Hund unterwegs bist – im Training oder im Wettkampf?
Das Schönste an all dem ist, diese Leidenschaft grundlegend miteinander zu teilen und sie Schritt für Schritt gemeinsam zu erleben. Man sammelt nicht nur Kilometer, sondern ist als Team unterwegs, dabei entsteht zwischen Mensch und Hund eine ganz besondere Verbindung. Man spürt, wie sehr der Hund das Laufen genießt und dabei überträgt sich diese Begeisterung. Dabei wachsen Vertrauen, Rhythmus und die Harmonie.
Warum ist der Arberland Ultratrail aus deiner Sicht ein besonderes Event – gerade auch für Starter mit Hund?
Trailveranstaltungen, bei denen Hunde offiziell mit an den Start dürfen, sind eher rar. Umso schöner ist es, dass hier genau diese Möglichkeit geboten wird und Mensch-Hund-Teams ausdrücklich willkommen sind.
Die Woidläufer geben mit der Organisation ihr allerbestes , und das merkt man auch besonders an den unglaublich üppig bestückten Verpflegungsstationen. Hier wird wirklich an alles gedacht – sogar für die Hunde stehen Näpfe bereit. Das zeigt, mit wie viel Herzblut die Veranstaltung geplant wird.
Auch das Starterackerl ist jedes Jahr ein Highlight, denn darin findet sich immer eine tolle Überraschung. Und nicht zuletzt sind die Finishergläser der lokalen Firma Zwiesel Glas etwas ganz Besonderes, eine hochwertige, regionale und nachhaltige Erinnerung an ein großartiges Trail-Erlebnis.
Last but not least: Jeder ist herzlich willkommen. Ob ambitionierte Ultraläufer, Genuss-Trailläufer, Starter mit Hund oder auch Wanderer – alle dürfen teilnehmen und die beeindruckende Natur des Bayerischen Waldes erleben. Genau diese Offenheit, gepaart mit Professionalität und Herzlichkeit, macht den Arberland Ultratrail zu einem außergewöhnlichen Event mit ganz besonderer Atmosphäre.
Der Arberland Ultratrail ist ein Event für Einsteiger, Genussläufer oder erfahrenen und leistungsorientierten Ultraläufer, der die Schönheit des Bayerischen Waldes spüren, seine Grenzen austesten und unvergessliche Momente in der Natur erleben möchte.
Schlussgedanke
Sabine steht wie kaum eine andere für das, was den Arberland Ultratrail ausmacht: Leidenschaft, Teamgeist, Verantwortung und die tiefe Verbundenheit zur Natur. Ihre Worte zeigen eindrucksvoll, dass sportlicher Erfolg und gelebte Partnerschaft mit dem Hund kein Widerspruch sind – sondern sich gegenseitig stärken.
Ob auf Skiern im Winter oder auf den Trails des Bayerischen Waldes – im Mittelpunkt steht immer das Miteinander. Genau dieses Miteinander möchten auch wir Woidläufer beim Arberland Ultratrail erlebbar machen.
Wir freuen uns auf viele motivierte Läuferinnen und Läufer – mit und ohne Hund – die gemeinsam mit uns unvergessliche Momente auf den Bayerwald-Trails sammeln möchten.